Wenden-West - ein Trauma ?
Nein, auch wenn ich seit meiner kommunalen Mitarbeit im Bezirk Wenden-Thune-Harxbüttel weit länger als ein Jahrzehnt mit dem wichtigen Problem "Wenden-West" befaßt worden bin. So geht es aber auch den übrigen Bezirksratsmitgliedern, gleich, ob diese inzwischen ausgeschieden oder neu hinzugekommen sind. Der Bezirksrat hat nach reiflicher Prüfung in seiner Gesamtheit dem vorgelegten Bebauungsplan "Wenden-West" zugestimmt. Über Jahre hat mal die Verwaltung der Stadt Braunschweig, mal der Rat der Stadt - für mich erinnerlich an die frühen 80er Jahre - zunächst den Rahmenplan 1, dann den Rahmenplan 2 mit verschiedenen Gutachten und schließlich den Bebauungsplan in Auftrag gegeben. Der Bezirksrat - jedes einzelne Mitglied - hat sich stets positiv, vor allem auch kreativ mit sachlichen Vorschlägen, die aus der langjährigen Ortskenntnis im oftmaligen Beisammensein mit der Bevölkerung, den Vereienn und der Kirche gewachsen waren, in den Bebauungsplan eingebracht.
Dabei spielten Vorschläge, die der Aufnahme von Neubürgern - auch unter Berücksichtigung von Lärmimmissionen - dienen sollten ebenso eine Rolle wie verkehrsberuhigende Maßnahmen in Wenden, die sich positiv für die "Altbürger" auswirken würden.Betrachtet werden muß auch der hohe Verwaltungsaufwand, die enormen Kosten für Gutachten und Lärmmessungen, die Änderung des Flächennutzungsplanes, die Vorbereitung der Baugesellschaften, die Planungen anderer Träger, die z.B. der Kirche mit dem neuen schönen Gemeindezentrum.
Vergessen werden darf auch nicht die kommunalpolitische Zielsetzung wie z.B. Zustimmung zum Bau der Straßenbahn, die im Bebauungspaln eingearbeiteten Anregungen und Forderungen des Bezirksrates, endlich ein Jugendzentrum im Norden, Erweiterung der schulsportanlagen, eine behindertengerechte Altentagesstätte, einen neuen Wendener Festplatz, ein arbeits- und bewegungsgerechtes Gebäude für die Freiwillige Feuerwehr Wenden.
Dies sollte alles mit der Aufgabe von "Wenden-West"-Wohnbaugebiet einstürzen, obwohl alle Untersuchungen, Gutachten bei strengster Prüfung die Wohnbebauung im vorgesehenen Gebiet zulassen. Doch Trauma ? Oder Schildbürgerstreich ?
Weitere Abwanderungen Braunschweiger Bürger ins Umland eingeplant ? Sind weit über 10.000 Bürger, die Braunschweig den Rücken gekehrt haben, nicht allmählich genug ? Wer ist verantwortlich für die sinkenden Steuereinnahmen im Stadtsäckel ?
Natürlich hat sich der Bezirksrat auch mit dem angrenzenden Forschungsflughafen beschäftigt. Manch einer der dort gewonnenen, gehobenen Arbeitsplätze wird von Bürgern unseres Bezirkes besetzt. Bewußt sprechen sich deshalb sicher alle Bezirksratsmitglieder für den Forschungsflughafen und seine Erweiterung nach Osten aus. Auch hier liegt eine arbeitsplatzsichernde Zukunft für alle Bürger. Außerdem wissen die Bezirksratsmitglieder um die möglichen Belastungen der Bürgerinnen und Bürger in der Autobahnsiedlung bzw. dem Südteils Wenden durch den Fluglärm, vor allem hervorgerufen durch kleine Sportflugzeuge. Doch für dies Bürger ergeben Gutachten, Studien und Einzelmessungen, die auch dem Bezirksrat vorgelegt wurden, zumindest keine unzumutbaren Beeinträchtigungen.
Habe ich etwas falsch verstanden ? Diese Feststellungen kommen doch von den Orten, die das Baugebiet "Wenden-West" für unzumutbar halten. Doch dieses neue Gebiet liegt nachweislich 1000 bis 1500 Meter nördlich der Flugschneise, also einem Raum, aus dem bisher kaum Beschwerden festgehalten wurden.
Deshalb bleibe ich dabei: Der Bereich südlich des Wendener Schulzentrums könnte für viele Menschen ein Wohngebiet guter Qualität werden, der Abwanderung ein Ende setzen und zum Gedeihen unseres Bezirks beitragen - wenn es von allen ernsthaft betrieben und gewollt wird.
Herzlichst Ihr Milo von Bismarck (Bezirksbürgermeister)